Es ist genug für alle da!

Ausreichende Versorgung trotz Tamoxifen Engpass möglich.

Seit Januar 2022 besteht in Deutschland ein Lieferengpass von Tamoxifen, ein Arzneimittel, das hauptsächlich zur Antihormontherapie bei Brustkrebs eingesetzt wird. Laut der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie sind 120.000-130.000 Patienten von dem Tamoxifen-Engpass betroffen.

Deswegen haben wir mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)und dem Bundesgesundheitsministerium gesprochen. Die Mitarbeiter dort nehmen die Sorgen, Ängste und auch Verständnislosigkeit der betroffenen Patienten sehr ernst und arbeiten mit Hochdruck an einer Lösung, damit niemand unversorgt bleibt. Am 9. Februar haben die zuständigen Behörden Maßnahmen beschlossen, um die Patienten ausreichend zu versorgen. Nach aktuellen Angaben der Behörden genügen die verfügbaren Mengen an Tamoxifen in Deutschland, um eine Versorgung der Betroffenen bis zum Ende des Versorgungsengpasses zu gewährleisten, wenn alle Beteiligten die beschlossenen Maßnahmen umsetzen.

Sie sind selbst betroffen? Wir geben Ihnen Antworten auf häufige Fragen und geben Tipps, wie Sie sich jetzt am Besten verhalten:

Was ist bisher passiert?

Im Januar haben Hersteller und Lieferanten das BfArM über die eingeschränkte Verfügbarkeit von Tamoxifen informiert. Die Versorgungslage wurde daraufhin überprüft und der Beirat für Liefer- und Versorgungsengpässe wurde einberufen. Dieser beschloss am 9. Februar verschiedene kurz- und langfristige Maßnahmen, die den Engpass abpuffern und die Versorgung von Patienten sichern sollen. Es wurde beschlossen, dass die Betroffenen keine zusätzlichen Kosten für die Maßnahmen tragen sollen.

Wie kam es zu dem Engpass?

Der momentane Engpass hat mehr als nur eine Ursache. Unter anderem spielt der aufwendige Herstellungsprozess eine Rolle. Dieser führt dazu, dass es mehrere Wochen dauert, bis eine Produktionsreihe abgeschlossen ist und eine neue beginnen kann. So konnte ein Produktionsausfall eines Herstellers, der große Mengen Tamoxifen in Deutschland bereitstellt, kurzfristig nicht von anderen Anbietern kompensiert werden.

Wie wird der Engpass behoben?

Behörden, Hersteller und Vertreiber haben eine Vielzahl an kurz- und langfristigen Maßnahmen veranlasst. Zum einen wurde die Produktion weiterer Chargen (eine bestimmte Produktionsmenge) Tamoxifen vorgezogen, sodass es schneller einen Nachschub neuer Tabletten geben wird. Außerdem wurde der Import von Tamoxifen aus anderen EU-Ländern, wie der Schweiz und den Niederlanden, genehmigt. Dadurch können Vorräte weiter aufgestockt werden. Der Export tamoxifenhaltiger Arzneimittel, die für den deutschen Markt bestimmt waren, wurde vorübergehend untersagt.

Damit für alle Patienten zu jedem Zeitpunkt ausreichend Tamoxifen verfügbar ist, ist eine Bestellung auf Vorrat weder für Ärzte noch für Apotheken zulässig. Ärzte sind dazu aufgerufen kleinere Packungsgrößen zu verschreiben oder wenn möglich, anstelle der besonders gefragten Tabletten à 20 mg, die doppelte Menge Tabletten à 10 mg zu verschreiben. Hersteller, der Großhandel und Apotheken wurden angewiesen, nur so viel Tamoxifen zu liefern oder abzugeben, wie für eine Behandlung akut benötigt wird.

Apotheker sollen die Möglichkeit bekommen vorhandene Großpackungen unter Patienten aufzuteilen. So wird Sichergestellt, dass Sie eine ausreichende Menge an Tamoxifen bekommen.

Wann wird der Engpass behoben sein?

Derzeit wird damit gerechnet, dass bis Ende April 2022 die Produktion wieder zu normalem Umfang zurückfindet.

Wird Sie der Engpass betreffen, wenn Sie noch mehr als 60 Tabletten Zuhause haben? 

Nein. Es wird davon ausgegangen, dass ab Mai 2022 alle Patienten mit normalen Tablettenmengen versorgt werden können.

Sie haben weniger als 60 Tabletten Zuhause? Was können Sie tun?

Zuallererst Ruhe bewahren. Die bisherigen Maßnahmen der zuständigen Behörden haben dazu geführt, dass aktuell ausreichend Tamoxifen für jeden Patienten vorhanden ist. Die Herausforderung des Engpasses ist es, wie und in welcher Form das Medikament den Weg zu Ihnen findet. 

Bekommen Sie normalerweise Tamoxifen in einer sogenannten N3-Packungsgröße mit 100 Tabletten verschrieben, kann es sein, dass Ihr Arzt Ihnen wegen der aktuellen Lage eine kleinere Packungsgröße von 30 Tabletten verschreiben muss. Es kann auch sein, dass Sie anstelle von 20 mg, 2 x 10 mg am Tag nehmen müssen. Warum? Damit alle Patienten ausreichend versorgt werden können und damit nicht einige Betroffenen mehr als nötig und andere gar keine Tabletten haben. 

Ab Mai hat sich die Versorgungssituation aber vermutlich wieder eingependelt.

Sie haben weniger als 60 Tabletten Zuhause. Was sollten Sie auf keinen Fall tun?

Bitte bestellen Sie keine Tamoxifen-Tabletten im Internet. Hier gibt es viele unseriöse Anbieter, die Tamoxifen sogar ohne Rezept verkaufen. Das sind keine nach Arzneimittelgesetz geprüften Medikamente. Es ist somit nicht sichergestellt, dass in diesen Tabletten wirklich Tamoxifen in gewollter Menge vorhanden ist, oder ausgeschlossen, dass andere ggf. auch schädliche Substanzen enthalten sind. 

Lassen Sie sich bitte auch nicht auf einen Tauschhandel mit anderen Betroffenen ein.

Sie haben ein anderes Präparat als bisher bekommen. Hat das für Sie Nachteile?

Nein, solange Sie das Medikament aus einer offiziellen Apotheke mit einem von Ihrem Arzt ausgestellten Rezept bekommen haben, ist für Sie alles wie bisher. Sorgen Sie sich auch nicht, falls die Tabletten eine andere Form oder Farbe haben, sofern sie in der folgenden Aufzählung zu finden sind:

  • TAMOXIFEN FARMOS 20 mg (Orion Pharma AG Schweiz, Charge 2090314)
  • Tamoxifene EG 10 mg compresse rivestite con film (ALIUD Pharma GmbH, Charge B213453)
  • Tamoxifene EG 20 mg compresse rivestite con film (ALIUD Pharma GmbH, Charge B213885)
  • Tamoxifen Aristo 20 mg Tabletten (Aristo Pharma GmbH, Charge 45904139)
  • Tamoxifen Aristo 20 mg Tabletten (Aristo Pharma GmbH, Charge 45906520)
  • Tamoxifen 10 PCH – Niederlande (ratiopharm GmbH, Charge 106901)
  • Tamoxifen 10 mg Tablets – UK (ratiopharm GmbH, Charge 111660)
  • Nolvadex-D 20 mg (AstraZeneca GmbH, Charge RY529)
  • Tamoxifen Arcana 20 mg (Arcana Arzneimittel GmbH, Charge 00490A)
  • TAMOXIFEN FARMOS 20 mg (Orion Pharma AG Schweiz, Charge 2093652)
  • TAMOXIFEN FARMOS 20 mg (Orion Pharma AG Schweiz, Charge 2093653)
  • TAMOXIFEN FARMOS 20 mg (Orion Pharma AG Schweiz, Charge 2093646)
  • TAMOXIFEN FARMOS 20 mg (Orion Pharma AG Schweiz, Charge 2093651)
  • TAMOXIFEN FARMOS 20 mg (Orion Pharma AG Schweiz, Charge 2096070)
  • TAMOXIFEN FARMOS 20 mg (Orion Pharma AG Schweiz, Charge 2096076)
  • TAMOXIFEN FARMOS 20 mg (Orion Pharma AG Schweiz, Charge 2096077)
  • TAMOXIFEN FARMOS 20 mg (Orion Pharma AG Schweiz, Charge 2096079)
  • TAMOXIFEN FARMOS 20 mg (Orion Pharma AG Schweiz, Charge 2096423)

Kosten Sie alternative Tamoxifen-Präparate oder Packungsgrößen etwas?

Nein. Die gesetzlichen Krankenkassen wurden dazu aufgefordert eventuelle Mehrkosten zu übernehmen, sodass für Sie  keine zusätzlichen Kosten entstehen. 

Wir hoffen Ihnen die Informationen der zuständigen Behörden verständlich übermittelt und Ihnen so die Angst und Sorge genommen zu haben. Es wird bis Mai eine vermutlich schwierigere Zeit, als es mit deiner Erkrankung eh schon ist, aber gemeinsam schaffen wir das. Sollten Sie sich weiter unsicher sein, kontaktieren Sie uns gern. Aber zögern Sie auch nicht mit Ihrem behandelnden Arzt darüber zu sprechen.

Sie erhalten trotz der bisherigen Maßnahmen in der Apotheke keine Tabletten. Was können Sie tun?

Auch hier gilt bitte Ruhe bewahren. Sollte es Ihnen möglich sein, eine andere Apotheke aufzusuchen, versuchen Sie dies bitte zuerst. Wenn Sie auch dann keinen Erfolg haben, wenden Sie sich bitte an uns unter hello@cancer-rebels.club und wir werden Sie unterstützen.

Aktuelle Informationen des Bundesministeriums für Arzneimittel und Medizinprodukte